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Startschwierigkeiten |
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Samstag, 20.12.97 Air France Flug AF1337 Nürnberg-Paris:
So langsam werde ich unruhig, nachdem alle Passagiere zwecks Behebung eines Defekts aus der Maschine
wieder in den Transitraum zurückgeschickt wurden.
Die Zeit vergeht und es tut sich nichts! Aber noch ist die Hoffnung nicht
aufgegeben... Dann endlich können wir wieder einsteigen und der Pilot gibt mächtig
Gas, daß er endlich in die Luft kommt. Mit vollem Speed geht’s nun in Richtung
Paris Charles de Gaulle. Dort angekommen haste ich ins gegenüberliegende Terminal,
wo ich für den Weiterflug einchecken muß. Im Abflugterminal treffe ich dann auf
die anderen, auf Uschi, Zimmi und Peter Lipsch. Die hatten auch nicht schlecht zu tun,
um auf vereisten Straßen pünktlich nach Berlin zu kommen um dort ihren Zubringer nach
Paris zu erwischen. Auf allen Bordkarten steht ein anderes Abfluggate, hier regiert
auch das Chaos.
Aber bald ist auch
erfragt, wo es denn nun wirklich losgehen wird. In schweren Bergschuhen stiefeln wir dann
los und werden mit einem überdimensionalen Hubwagen zu der auf dem Vorfeld stehenden B767
der Air France gebracht. Der Sitzplatz ist schnell gefunden und das Handgepäck wird oben
verstaut. Ich habe mich schon beim Einchecken für einen Platz am Gang entschieden. Da
kann man immer aufstehen wann man will ohne einen anderen Mitreisenden über die Füße
steigen zu müssen. Der Abflug in Paris erfolgte mit kleiner Verspätung und über den
Wolken angekommen geht es nun ständig in südlicher Richtung dem afrikanischen Kontinent
entgegen. |
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Ankunft in Nairobi |
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Nach einem gut 8 1/2 Stunden Flug dann die Landung in Nairobi. Es ist
schon dunkel als die Maschine aufsetzt. Nach Einreise- und Zollkontrolle empfängt uns ein
Mitarbeiter einer keniattischen Reiseagentur und bringt uns zu unserem Hotel in der
Innenstadt. Dort angekommen haben sogleich die ersten Dollar Trinkgeld den Besitzer
gewechselt. Koffer- oder Rucksackträger und unser Abholer werden bedient, gleichfalls ein
netter Hoteldiener, der so lange in den Zimmern "nach dem Rechten" geschaut hat,
bis er auch seinen Dollar in den Händen hatte. Dafür durfte er uns noch ein paar Biere
und Mineralwasser besorgen, die wir dringend nötig hatten. Der Abend konnte somit noch
etwas weitergehen, nach dem Einreiben mit Autan gegen Mücken genehmigten wir uns neben
dem Bier noch einen Schluck aus der mitgebrachten Whiskyflasche, um auch von innen zu
desinfizieren. Nicht allzu spät gingen wir dann schlafen, um die morgige Abfahrt des
Busses nach Moshi nicht zu verpassen. |
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Über Land |
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Nach einem kurzen Frühstück brachte uns ein Shuttle-Bus zum Abfahrtsort
unseres Linienbusses nach Tansania. Dort wurde das Gepäck verstaut und wir konnten uns
einen Platz im Bus aussuchen. Das ging erstaunlicherweise recht unbürokratisch
vonstatten, denn unsere Namen standen bereits auf der Passagierliste. Auch die Abfahrt
erfolgte pünktlich und wir verließen Nairobi in südlicher Richtung. Die Entfernung bis
zur Grenze beträgt ca. 180 km, es sind also 2-3 Stunden Fahrt einzuplanen. Etwa zur
Hälfte der Strecke wurde noch eine kurze Pause eingelegt, um ein paar Getränke einkaufen
zu können. Nach einer weiteren Stunde wurde die Grenze erreicht.
Nach ein paar Sicherheitsinstruktionen verließen wir den Bus, um uns in die Schlange der
dort Wartenden einzureihen. Aber auch hier ging wieder alles ziemlich schnell. Unsere
Pässe wurden kaum angesehen, dafür um so mehr bestempelt. Alles will seine Ordnung
haben! Und die an der Grenze lauernden Souvenirverkäufer konnten wir auch abschütteln.
So hatte jeder von uns nach der Einreise nach Tansania noch alle seine Siebensachen bei
sich, wobei in Tansania überhaupt kein "Trophäenjäger" auszumachen waren.
Allmählich wurden auch die Straßen afrikanischer. Aber von unserem Ziel, dem Kilimanjaro
war weit und breit noch keine einzige Spitze zu sehen. Immer wieder schauten wir nach
links zum Fenster hinaus, doch außer Wolken nichts gewesen... Kurz vor Arusha wurde es
bergiger, und damit die Straßen noch schlechter. Manchmal ging es nur noch im Schrittempo
vorwärts, denn die Regenfälle der letzten Wochen hatten dem Zustand des Fahrweges doch
sehr zugesetzt. In Arusha angekommen hielt der Bus am Hotel "Mount Meru", vom
gleichnamigen Berg war weit und breit nichts zu sehen. Hier wurde unser Gepäck auf das
Dach eines kleineren Busses umgeladen. Nach einigem Schlichten und Schichten war alles
verstaut. Die Wartezeit bis zur Abfahrt nach Moshi versüßten wir uns mit einem guten
kühlen Safari-Lager an der Bar des Hotels. In östlicher Richtung sind es jetzt nur noch
70-80 km bis nach Moshi, unserem heutigen Tagesziel. Aber auch das ist bald geschafft, das
Gepäck ist in den Zimmern des Moshi-Hotels, der vielleicht ehemals besten Adresse der
Stadt. Heute ist das freilich nicht mehr ganz so. Aber alle Zimmer haben abschließbare
Türen und sind mit fließendem Wasser ausgestattet. Jetzt haben wir erst mal zu tun, um
unsere Siebensachen für den ersten Teil unserer Reise zusammenzusuchen und zu verpacken.
Die Betten liegen voller Klamotten und man blickt kaum noch durch. Doch nach 2 Stunden ist
das Theater auch vorbei, die Rucksäcke sind geschnürt und die in Moshi verbleibenden
Klamotten für die Safari sind in Extrataschen verstaut. Jetzt bleibt natürlich noch Zeit
für ein gescheites Abendessen. Also finden wir uns im Restaurant ein und sind, wie nicht
anders zu erwarten, die einzigen Gäste. Alle entscheiden sich für das Gericht des Tages,
Chicken mit Pommes, Vorsuppe und Obstsalat. Alle anderen Gerichte auf der Karte hat es
wohl nicht gegeben. Zum Abschluß noch ein Besuch in der Hotelbar - das Tagewerk ist
vollbracht. Und die ersten Worte Suaheli sind auch gelernt. Neben Jambo können wir jetzt
auch schon Danke sagen - assante... |
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Aufstieg |
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Schon früh am Morgen ein erster Blick aus dem Hotelfenster: und da ist er
endlich zu sehen, der Kilimanjaro. Noch hängen ein paar Wolken im Sattel zwischen Kibo
und Mawenzi, aber von Minute zu Minute wird die Sicht besser.
Dann steht er frei vor uns, die Gletscher im Gipfelbereich glänzen in der Morgensonne.
Und die sind verdammt weit oben... Nach dem Frühstück finden wir uns im Büro von ZARA
ein, unserem Touroperator für die Trekkingtour zum Dach Afrikas. Dort unterschreiben wir
erst mal eine Erklärung, daß im Fall des Falles keine Ansprüche geltend gemacht werden
können. Hier treffen wir auch unseren Guide Lamek. Er verstaut unser Gepäck auf dem
Landrover. Dann lesen wir noch unseren Koch Watson auf, der unterwegs noch ein paar
Besorgungen macht. Wir verlassen Moshi und fahren in Richtung Marangu, dem Eingang zum
Kilimanjaro-Nationalpark. Die Vegetation wird immer üppiger, links und rechts der Straße
stehen Bananenplantagen, Mangos und Papayas. Dazwischen Kaffeesträucher und weitere
tropische Pflanzen. Ich bekomme alles von Watson erklärt, der neben mir sitzt und
unablässig plaudert. Die Verständigung in englisch klappt eigentlich auf Anhieb prima.
Kurz vor dem Parkeingang wird noch mal bei einem Fleischer gehalten, um die Vorräte zu
ergänzen. Dort hängen die Fleischbrocken in der sengenden Sonne und ich hoffe, daß wir
das alles später auch vertragen werden... Die Straße schlängelt sich weiter den Berg
hoch und bald ist Marangu erreicht. Hier warten schon eine große Anzahl von Trägern auf
einen guten Job.
Unser Guide besorgt das für uns und bald ist unser Gepäck auf den Köpfen der Träger im
Wald verschwunden. Wir müssen noch ein paar Unterschriften unter diverse Formulare setzen
und bekommen dann unser Permit für die Tour. Zusammen mit einer Meute anderer Bergsteiger
beginnen wir unseren Aufstieg, der uns heute ca. 1000 Meter höher zur Marangu-Hut führt,
ein Aufstieg durch den Regenwald an der Südflanke des Kilimanjaro. Bald hat sich die
Meute in viele kleine Gruppen aufgespalten und wir erreichen nach 1 1/2 Stunden einen
kleinen Ratsplatz auf halbem Weg bis zur Hütte. Hier ruhen wir uns eine Weile aus. Nach
20 Minuten gehts weiter in Richtung Hütte. Der Wald ist schön kühl, aber nicht so
dicht wie ich es mir vorgestellt habe. Die letzten Höhenmeter geht es dann schon durch
sehr hohes Heidekraut, das hier die Höhe von über 5 Meter erreicht. Der Weg wird immer
feuchter und schmieriger, man muß höllisch aufpassen nicht auf die Schn... zu fallen.
Nach weiteren 1 1/2 Stunden ist dann die Marangu-Hütte erreicht. Hier melden wir uns mit
unserem Permit beim Verwalter an und können dann unsere "Finnhütte" beziehen.
Hier ist gerade Platz für 4 Leute, zwei Einzelbetten und ein Doppelstöcker, dazwischen
gerade mal Platz für die Rucksäcke. Um uns die Zeit bis zum Abendessen zu vertreiben,
machen wir uns auf den Weg zum Maundi-Krater, einem Seitenkrater des Kilimanjaro, der
oberhalb des nun hier beginnenden richtigen Regenwaldes liegt. Und jetzt macht der
Regenwald seinem Namen ganze Ehre. Mir läuft das Wasser von der Jacke über und in die
Hose und in kürzester Zeit bin ich total naß. Uschi geht es ebenso und so beschließen
wir beide umzukehren. Zimmi und Peter gehen weiter. Der Regen tobt sich dann den ganzen
Nachmittag weiter aus, wir rennen zum Abendessen und anschließend wieder zu unserer
Hütte zurück. Hoffentlich wird es morgen etwas besser. Jetzt verstehen wir auch, warum
wir in Moshi Plastiksäcke für unsere Rucksäcke besorgen sollten. Aber vielleicht halten
die Rucksäcke morgen doch dicht. Zumindest hört es mal etwas auf zu regnen und wir
können uns beim Hüttenchef noch ein Bier fürs bessere Einschlafen besorgen. |
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Horombo |
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Der nächste Morgen beginnt mit einem schönen Sonnenaufgang, sie scheint
also wieder. Nach Frühstück und Übergabe des Gepäcks an die Träger setzen auch wir
uns allmählich in Bewegung und in kleinen Gruppen tauchen wir wieder in den nassen
Regenwald ein. Hier ist es noch richtig schummrig und glitschig, man muß aufpassen nicht
hinzufallen.
Doch
nach einer halben Stunde ist die eigentliche Regenwaldzone durchquert, sie beträgt hier
noch höchstens 150-200 Höhenmeter. Oberhalb des Maundi-Krater erreichen wir eine Wiese
mit einem ersten Blick in Richtung auf den Mawenzi-Gipfel, der sich noch etwas in Wolken
hüllt. Hier machen war dann auch eine erste kurze Rast, denn die Sonne steht hier am
Äquator schon vormittags ziemlich schnell im Zenit und brennt auf uns herunter. Unser
weiterer Weg führt uns durch einen Wald von 5 m hohem Heidekraut. Was bei uns in kleinen
Büscheln wächst, erreicht hier gigantische Ausmaße. Doch viele Pflanzen sind durch
Leichtsinn und Feuer zerstört oder wurden vielleicht auch mutwillig angezündet, um die
tägliche mühselige Suche nach trockenem Brennholz etwas zu "vereinfachen".
Nach weiteren kurzen Pausen mit immer neuen Ausblicken auf den Mawenzi erreichen wird bald
die Zone der Lobelien, Senezien und der anderen riesenhaften Pflanzen, die sich in der
moorigen Landschaft bis in Höhen von 5 m aufbauen. Der Weg steigt die ganze Zeit recht
gemächlich an und somit kann man sich recht gut an die Höhe gewöhnen. Unser Führer
geht immer als letzer hinter uns her, vor ihm kann jeder sein eigenes Tempo wählen,
wenngleich er uns immer wieder mit den Worten "pole, pole" zu langsamer Gangart
auffordert. Immer wieder überholen wir Gruppen, die vor uns gestartet sind oder werden
von Trägern überholt, die Lebensmittel und Brennholz nach oben transportieren. Dazu
balancieren sie die Lasten auf dem Kopf, selbst Rucksäcke werden auf dem Kopf und nicht
auf dem Rücken getragen. Es sieht immer lustig aus, wenn wir einer Trägertruppe
begegnen.
Ein freundliches "Jambo" und weiter geht es. Nach 14 km langer Strecke und einer
Gehzeit von etwa 4 Stunden tauchen auf einer kleinen Anhöhe vor uns das Horombo-Camp auf.
Wir haben die zweite Etappe fast gemeistert und befinden uns jetzt auf ca. 3.800 m Höhe.
Der letzte Anstieg ist bald gemeistert, vor der Gemeinschaftshütte warten wir auf Lamek,
der uns zu unserer kleinen Hütte bringt. Dort steht bereits unser anderes Gepäck und wir
können es uns in der kleinen Hütte gemütlich machen. Bis zum Abendessen ist es noch
etwas Zeit und so machen wir noch einen kleinen Abstecher in die nähere Umgebung. Von
einer Anhöhe oberhalb der Horombo-Hut haben wir einen schönen Blick auf das Camp, das
unter von dichtem Qualm eingehüllt ist. Er stammt von all den Kochstellen in den
Trägerhütten, wo unser Abendessen zubereitet wird. Da es hier oben kein Holz mehr gibt,
muß alles bis hier herauf getragen werden. Ganz unten im Tal braut sich schon wieder der
nachmittägliche Regenguß zusammen. Und über uns hüllt sich der Kilimanjaro immer noch
in dichte Wolken, während der Mawenzi bereits linker Hand frei zu sehen ist. Bald ist die
Abendbrotzeit herangekommen.Heute gibts in etwa wieder das gleiche wie gestern auch:
Tee oder Kaffee, Suppe, Spaghetti und Bratkartoffeln mit Gemüse und einigen Hühnerteilen
und etwas anderes Fleisch, das alles recht fettig zubereitet. Aber der Hunger treibt es
hinein und wir essen so lange und so viel wie hineinpaßt. Nach dem Essen genehmigen wir
uns noch ein Bier. Und plötzlich reißt der Himmel auf und wir sehen den Gipfel des
Kilimanjaro vor uns in der Abendsonne. Unheimlich weit weg und ebenso hoch ... |
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Heiligabend |
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Heute am Heiligen Abend ist für uns ein Ruhetag angesagt. Nicht wegen
einem hier geplanten Festessen sondern wegen einer besseren Akklimatisierung an die Höhe.
Nach einem typischen englischen Frühstück mit leckerem Porridge machen wir uns zusammen
mit unserem Guide zu einer Tour zum Mawenzi-Sattel auf den Weg, einem Hochplateau zwischen
den beiden Gipfeln von Kilimanjaro und Mawenzi. Oberhalb der Horombohütte verlassen wir
die Maranguroute und folgen rechter Hand einem schmalen ausgetretenen Pfad. Recht schnell
machen wir Höhe und zwischen Riesenpflanzen hindurch nähern wir uns, eingehüllt in
dichte Nebelschwaden, dem Zebra-Rock, einer Felsformation, die aufgrund ihrer Musterung an
die Färbung eines Zebras erinnert. Die 4000er Grenze liegt nun schon weit hinter uns, als
wir eine längere Rast am Fuß einer windgeschützten Felsformation einlegen. Allmählich
klart das Wetter auf und wir erkennen die umliegenden Berge besser. Hinter uns ragt der
Mawenzi bis in eine Höhe von über 5.100 Meter auf. Aber das wäre dann doch des Guten
zuviel! So begnügen wir uns weiter bergan bis kurz vor die Mawenzihütte, einer
Biwakschachtel in etwa 4.700 Meter Höhe.
Die Höhe macht einem nun doch schon ganz schön zu schaffen. Über den Sattel
hinüber sehen wir die Kibo-Hütte, etwa auf gleicher Höhe wie wir im Moment sind. Diese
wollen wir morgen erreichen, wenn wir wieder von der Horombohütte aufsteigen werden. Da
der Gipfel des Kilimanjaro immer noch in dichte Wolken gehüllt ist, machen wir uns wieder
auf den Weg nach unten. Am Zebra-Rock angelangt machen wir noch eine Aufnahme um dann die
restliche Stunde bis zur Hütte abzusteigen. Dort angekommen verziehen wir uns in unser
"Appartement" und zünden ein paar Räucherkerzen an, denn schließlich ist ja
heute Weihnachten. Das Festessen besteht aus den gleichen Gerichten wie tags zuvor. Nur
das ganze Ambiente ist etwas anders. Die Briten haben das Innere der Hütte mit Girlanden,
Kerzen und aufblasbaren Weihnachsmännern geschmückt. Nach dem Essen gibts noch ein
kurzes Weihnachtskonzert. Die einheimischen Träger singen uns allen bekannte
Weihnachtslieder wie "Stille Nacht", natürlich in ihrer Heimatsprache, Suaheli.
Wir beschenken uns noch mit einem guten Safari-Lager und einem verdauungsfördernden
Boonekamp. |
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Zur Kibo-Hütte |
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Früh am Morgen des 25.12. stehen wir auf und begeben uns sogleich zum
Essen, denn der heutige Tag wird es in sich haben. Gegen 8:30h verlassen wir die
Horombohütten und steigen in Richtung Kibosattel auf.
Über moorige Wiesen und zwischen riesenhaften Senecien und Lobelien steigen wir höher
und höher. Die 4.000 Meter sind bald geschafft und der Kilimanjaro bleibt immer in
unserem Sichtfeld. Ab und zu ziehen ein paar Wolken über seinen Gipfel, aber das Wetter
hält. Die Vegetation wird immer spärlicher und anstelle von Pflanzen dominieren mehr und
mehr öde Flächen und Geröllwüsten. Wir verschieben unsere Mittagspause und steigen bis
in den Kibosattel hoch. Ab jetzt verläuft der Weg recht gemächlich bergauf, aber dafür
kommt ein häßlicher Wind auf, der zu allem Überfluß noch einen kräftigen Regen
mitbringt. Also dürfen die Regenklamotten endlich angelegt werden und mit eingezogenem
Kopf bahnen wir uns unseren Weg bergan. An einer kleinen Felsgruppe machen wir dann die
längst fällige Rast. Das Wetter bessert sich schließlich wieder und wir nehmen die
letzten 300 Höhenmeter in Angriff. An der Kibo-Hütte angekommen haben wir 4.750 Meter
Höhe erreicht, wir befinden uns also auf der Höhe der höchsten Alpengipfel. Schnell
reservieren wir uns ein paar Betten für die Nacht oder besser gesagt für den Abend, denn
geplanter Aufbruch zum Gipfel ist kurz nach Mitternacht. Aber vorher wollen wir noch ein
paar Höhenmeter machen und steigen ohne Gepäck belastet auf der Route aufwärts, die wir
wieder während der Nacht unter die Füße nehmen werden. Unser kleiner Ausflug führt uns
auf ca. 5.000 Meter Höhe, somit hat jeder von uns einen neuen "Höhenrekord"
aufgestellt. Doch das Abendessen ruft und wir kehren zur Hütte zurück, die sich in der
Zwischenzeit gefüllt hat. Nach dem Essen packen wir unsere Siebensachen für die
nächtliche Etappe und legen uns schlafen. Doch die ungewöhnte Höhe sorgt dafür, daß
der Schlaf recht unruhig ist. So dämmern wir eigentlich nur ein paar Stunden vor uns hin,
um bereits gegen 23:30 h wieder geweckt zu werden. |
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Zum Gipfel |
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Dann ist es soweit. In den Rucksäcken sind je 1 Thermosflasche Tee und
eine gefüllte Wasserflasche sowie etwas zu essen, dazu noch ein paar warme Klamotten. Um
0:45 Uhr gehen wir fast als letzte los, vor uns sehen wir die Lampen der Gruppen vor uns
wie an einer Perlenschnur aufgefädelt. Wir machen Druck, um so schnell wie möglich an
den sehr langsam vor uns Gehenden vorbeizukommen. Das gelingt uns dann auch recht schnell,
aber anschließend müssen wir doch einen Schritt kürzer treten. Nun sind wir die ersten
und nach und nach verlieren sich die Lichter unter uns. Bald beginnt es auch etwas zu
schneien.
Nach über einer Stunde
erreichen wir die Mayer-Cave, eine Höhle im Lavagestein. Wir sind jetzt über 5100 Meter
hoch. Bis zum Kraterrand, dem Gillmans-Point, sind es noch mehr als 600 Höhenmeter. Hier
machen wir eine kurze Pause und nutzen sie, um uns etwas auszuruhen und etwas zu trinken.
Dazu gibts Traubenzucker und etwas Schokolade. Dann geht es auch schon weiter. Mit
steigender Höhe werden wir immer langsamer, vielleicht sind wir etwas zu schnell
angegangen. Dann erreichen wir eine Geröllhalde, die wir schon von unten aus gesehen
haben. Von hier aus erfolgt der Durchstieg zum Krater des Kilimanjaro. Aufgrund der
niedrigen Temperaturen ist das ansonsten feinkörnige lose Material etwas gefroren und wir
kommen leidlich voran. In Serpentinen geht es immer höher und höher. Ich beginne meine
Schritte zu zählen, die von Spitzkehre zu Spitzkehre notwendig sind. Und diese werden
immer mehr. Nicht das die Strecken länger sind, nein - die Schritte werden immer kürzer.
Und dazu schneit es sachte weiter, es liegen jetzt so um die 5 cm lockerer Schnee. In der
stockdunklen Nacht hat man keinerlei Orientierungsmöglichkeit, nur unsere Stirnlampen und
die Taschenlampe des Führers erhellen unsere unmittelbare Umgebung. Daher können wir
nicht mal erahnen, wie weit es noch sein könnte. Zu allem Überfluß geht es den beiden
Peters nicht besonders gut, denn sie haben das kalte Wasser nicht vertragen und wieder
ausgebrochen. Ich kann dahingehend nicht klagen, aber mein Gesicht möchte ich jetzt auch
nicht unbedingt sehen. Aber nach ein paar Minuten ist wieder alles im Lot. So gegen 4:00
Uhr klart der Himmel über uns auf, wir haben die Schneewolken unter uns gelassen und
über uns glitzert der südliche Sternhimmel in seiner ganzen Pracht. Die Luft ist
unwahrscheinlich klar und kalt, im faden Licht der Sterne ist jetzt sogar die Kontur des
Gipfels auszumachen. Aber wie lange es sich noch bis dahin hinziehen wird, läßt sich
immer noch nicht genau sagen. Aber so 1 bis 2 Stunden wird es bis zum Gillmans-Point noch
sein. Endlich haben wir die Geröllhalde unter uns gelassen und klettern nun dem Gipfel
entgegen. Und langsam beginnt es heller zu werden. Wir sehen auf ein phantastisches
Wolkenmeer herunter, über dem der Gipfel des Mawenzi wie ein Wächter steht.
Und dann stehen wir oben, uns bläst ein saukalter Wind ins Gesicht, es werden sicherlich
15°-20° Minus sein. Wir sind am Gillmans-Point, 5685 Meter hoch über Afrika. Zum Gipfel
des Kibo, dem Uhuru-Peak, sind es noch 210 Höhenmeter. Und es liegt noch ein Haufen
Schnee hier oben. Von Bildern kennt man das alles anders, schwarzes Lavagestein, blendend
weiße Hängegletscher und staubige Wege. Ich beginne zu frieren und ziehe mir deshalb
noch zusätzlich meine Motorradregenhose drüber. Peter legt sich gleich der Länge nach
hin und ruht sich etwas aus. Ich versuche noch mit eiskalten Händen ein Foto zu machen
und etwas zu filmen, lasse es dann aber doch sein, da ich kaum die Kamera bedienen kann.
Nach
10 Minuten Pause gehen wir weiter, die beiden Peters sind jetzt nicht mehr zu halten und
sie gehen mit unserem Assistent-Guide Watson voraus. Kurze Zeit später sind sie aus
meinem Gesichtsfeld verschwunden. Hinter Lamek schleiche ich hinterher und beschließe
dann, nicht mehr bis hoch zum Gipfel zu gehen. Der Grund ist heute mit etwas Abstand nicht
mehr so genau nachzuvollziehen. Jedenfalls fühlte ich mich wacklig und schwach, rechter
Hand ging es ziemlich heftig abwärts, es lag eine Menge Schnee und ich hatte auch nichts
mehr zu Essen dabei.
Also Schluß! Statt dessen genieße ich es hier oben zu sein. In Höhe des Stella-Points
lege ich den Rucksack ab und beginne die Szenerie zu fotografieren und zu filmen. Nach
einer knappen halben Stunde machen wir uns auf den Rückweg. Am Gillmans-Point legen wir
noch eine Pause ein, ich fotografiere auch hier noch einmal, denn am frühen Morgen war es
nicht möglich gewesen. Dann geht es wieder nach unten, die Aussicht ist unbeschreiblich
schön. Tief unten im Kibo-Sattel liegt Schnee, die Kibo-Hütte ist als kleiner Punkt
auszumachen und noch weiter unten schaut man auf eine geschlossene Wolkendecke. In großen
Schritten geht es die Geröllhalde hinunter, die wir uns in der Nacht hinauf gequält
hatten. Wieder geht es an der Mayer-Höhle vorbei und die restlichen 300 Höhenmeter
abwärts sind dann in 30 Minuten geschafft. |
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